UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat am 11. Juni seinen jährlichen Bericht über die Situation von Kindern in bewaffneten Konflikten veröffentlicht und dem Sicherheitsrat vorgestellt. Der Bericht enthält eine Liste mit 52 Parteien, welche die Rechte von Kindern missachten. Dazu gehören Gruppen, die Kinder als Soldaten rekrutieren und in Konflikten einsetzten, Kinder töten, verstümmeln und sexuell missbrauchen oder Schulen und Krankenhäuser attackieren.
Die Aufnahme von Milizen und staatlichen Armeen, welche für Angriffe auf Krankenhäuser und Schulen verantwortlich sind, ist neu und wurde erst letztes Jahr durch die Resolution 1998 vom Sicherheitsrat ergänzt. Dies führte dazu, dass auf der Liste neue Konfliktparteien aus Syrien, Jemen und der Sudan vertreten sind. Die Untergeneralsekretärin und Sonderbeauftragte des UN-Generalsekretärs für Kinder und bewaffnete Konflikte, Radhika Coomaraswamy, betonte, dass Schulen und Krankenhäuser Bereiche des Friedens seien und von allen Konfliktparteien als solche respektiert werden müssen.
Mit besonderer Besorgnis ist auch die steigende Anzahl von Gruppen zu beobachten, welche seit Jahren kontinuierlich Kinder in bewaffneten Konflikten einsetzen. 32 Gruppen sind in allen Berichten der letzten fünf Jahre gelistet und es gibt nur wenig Hoffnung, dass sie auf den Einsatz von Kindersoldaten in naher Zukunft verzichten werden.
Ein weiterer beunruhigender Trend ist der Anstieg der fälle, in denen Kinder als Selbstmordattentäter und „unfreiwillige Bombe“ eingesetzt werden. Dies sind Jungen und Mädchen, welche gar nicht wissen, dass sie einen Sprengsatz bei sich tragen und durch eine Fernzündung in die Luft gejagt werden. Allein 2011 wurden elf Kinder in Afghanistan und elf Kinder in Pakistan durch Bomben am eigenen Körper getötet.
Die Zahl der Kindersoldaten wird für 2011 weltweit auf über 250.000 geschätzt. Neue Konflikte, wie der seit 2011 anhaltende syrische Bürgerkrieg, verschlechtern die Situation vieler Kinder. In Syrien kam es konkret zu Verhaftungen, Tötungen, Verstümmelungen, Folter und Vergewaltigungen durch die syrische Armee, den Geheimdienst und die regierungstreue Shabbiha-Miliz. Zusätzlich wurden Kinder zwischen 8 und 13 Jahren als menschliche Schutzschilde benutzt und entlang von Fenstern von Bussen positioniert, in welchen sich Militär befand.
Deswegen ist die Arbeit der Untergeneralsekretärin und Sonderbeauftragten des UN-Generalsekretärs für Kinder und bewaffnete Konflikte, Radhika Coomaraswamy, besonders wichtig. Sie bereist Konfliktregionen und entwickelt Programme zum Schutz der Kinder. So wird beispielsweise ein besonderer Fokus auf die Integration ehemaliger Kindersoldaten in die Gesellschaft gelegt und durch Bildungs- und Arbeitsangebote werden Alternativen zum Alltag als Kämpfer geboten. Trotzdem bedarf es noch einiger Anstrengungen alle Kinder angemessen zu schützen. Für eine straffere Durchsetzung der Kinderrechte müsste es verbindliche Sanktionen durch den Sicherheitsrat gegen die gelisteten Gruppen geben und eine engere Zusammenarbeit von nationalen und internationalen Gerichten, um eine bessere Rechtsdurchsetzung zu bewirken. Die aktuelle Aufklärungsarbeit leistet zwar einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Situation von Kindern in bewaffneten Konflikten, ist aber nicht immer erfolgreich, da alle Initiativen freiwillig sind.
Frédéric Loew
Mehr Informationen finden Sie unter den folgenden Links:
Den offiziellen Bericht des Generalsekretärs
„ Liste der Schande“ – Annex I
„Liste der Schande“ – Annex II
UN-Sonderbeauftragte Radhika Coomaraswamy zu Gast bei der DGVN
Internetseite der Vereinten Nationen zu Kindern in bewaffneten Konflikten
Twitter & Youtubekanal der Vereinten Nationen zu Kindersoldaten
Internetseite der Iniative Red Hand Day